Oury Jalloh: 12.2.

Am 12. Februar wird es im Juzi im Anschluss an die Soliküche (also so gegen 21 Uhr) ein Vortrag der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh e.V. geben.

Am 7. Januar 2005 ist Oury Jalloh im Polizeirevier Dessau bei lebendigem Leib verbrannt. Bis heute ist nicht geklärt, was an diesem Tag in Zelle Nr. 5 tatsächlich geschehen ist. Während Verwandte, FreundInnen und die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh von Mord sprechen, wurde im ersten Prozess gegen zwei Polizisten lediglich Anklage wegen „fahrlässiger Tötung“ bzw. „fahrlässiger Körperverletzung mit Todesfolge“ erhoben. Der Prozess endete mit einem Freispruch, obwohl sich PolizeizeugInnen in eklatante Widersprüche verwickelt hatten. Am 7. Januar 2010 kassierte der Bundesgerichtshof in einer spektakulären Entscheidung das Urteil des Dessauer Landgerichts. Der Fall wird nun seit zwei Jahren vorm Landgericht Magdeburg neu verhandelt.

Bis heute fußt die Klage der Staatsanwaltschaft auf der Annahme, dass Oury Jalloh trotz Fixierung an Armen und Beinen mit einem Feuerzeug seine feuerfeste Matratze selber angezündet habe. Das fragliche Feuerzeug ist jedoch erst zwei Tage nach dem Brand aufgetaucht. Zudem wurde bei einer erneuten Untersuchung dieses Feuerzeugs ganz klar festgestellt, dass es sich zur Brandzeit nicht am Brandort befunden haben kann. Denn es weist keinerlei Materialspuren der Matratze oder der Kleidung von Oury Jalloh auf. Mit diesen hätte es aber verschmolzen sein müssen. Ebenfalls verschwunden sind die Videobänder von der Durchsuchung der Zelle, hinzu kommen weitere Ungereimtheiten aus jüngster Zeit..

Die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh hat daher einen bekannten Brandgutachter gebeten, in einem unabhängigen Gutachten zu klären, wie das Feuer entstanden ist und welchen Verlauf es genommen hat. Denn für die Verwandten von Oury Jalloh genauso wie für die Oury Jalloh-Initiative, für die Black Community (nicht nur) in Deutschland und für alle, die in einer Gesellschaft ohne Rassismus und Diskriminierung leben möchten, ist es von allerhöchster Bedeutung, die Wahrheit über den Tod von Oury Jalloh ans Licht zu bringen und Klarheit über strukturellen Rassismus insbesondere in deutschen Polizeistationen zu erlangen. Einziges Problem: Ein solches Brandgutachten ist sehr teuer – insgesamt 40.000 Euro. Nicht nur, weil es erforderlich ist, die Zelle nachzubauen, auch Matratzen und andere Materialien müssen angeschafft werden. Hinzu kommen Reise-, Übersetzungs- und sonstige Sachkosten.

Sicherlich, 40.000 Euro sind viel Geld. Wir glauben allerdings, dass diese Ausgabe notwendig ist, vor allem deshalb, weil sich Polizei und Staatsanwaltschaft von Anfang an auf ein einziges Brandszenario festgelegt haben, und zwar das unwahrscheinlichste. Das Geld wollen wir in den nächsten Monaten in einer massenhaften Crowdfunding-Kampagne mit Unterstützung möglichst vieler Spender_innen sammeln, weshalb wir die Devise „700 × 50 Euro“ ausgegeben haben.

Natürlich sind auch kleinere oder größere Beträge willkommen. Mit unserem Rechenbeispiel wollen wir lediglich deutlich machen, dass das Geld schnell zusammen kommen könnte, wenn sich nur genügend Menschen beteiligen.

Tierrechtsdemo “Wiesbaden pelzfrei” am Sa, 26. Januar 2013

wiesbadenpelzfrei

Aus dem Demoaufruf:
„Wiesbaden, die hessische Landeshauptstadt und Standort mehrerer Nobelbekleidungsläden, die teilweise recht viel Echtpelzprodukte im Angebot haben, ist viel zu selten der Schauplatz von Tierrechtsprotesten.
Pelztierfarmen gibt es in Hessen keine mehr, doch die pelzverarbeitende und -verkaufende Industrie ist hier um so mehr vertreten – ebenso die Fur&Fashion Frankfurt GmbH und das Deutsche Pelzinstitut. Lasst uns in Wiesbaden ein klares Zeichen gegen Pelz und alle weiteren Tierausbeutungsformen setzen! Die Demoroute wird an einen Pelzgeschäft und einer ZARA-Filiale vorbeiziehen. Da Pelz nur eines von vielen Tierausbeutungsprodukten ist, richtet sich der Protest auch gegen andere Aspekete, die auch im Rahmen dieser Tierrechtsdemonstration adressiert werden. Im Anschluss an die Demo wird es vegane Snacks und am Abend noch eine Tierrechts-Party geben, also bringt viel Zeit mit.“

Weitere Infos gibt es unter wpf.tierrechtsdemo.de.

15. Januar: Soliküche fällt aus

Nachdem wir uns gestern mit einem phänomenalen Chilli sin carne aus der Winterpause zurückgemeldet haben, nun eine gar traurige Nachricht:

Wegen Renovierungsarbeiten im Ballsaal fällt die Soliküche am Dienstag den 15. Januar aus.
Am 22. Januar wird es wie gewohnt weitergehen.

Als Zombie oder als Mutant*in, wichtig ist der Widerstand!

Mit gemischten Gefühlen erwarten wir die Apokalypse. Obwohl nach dem großen Knall alles anders sein wird, fühlen wir uns verpflichtet, die Soliküche weiterzuführen und lediglich an das wahrscheinlichste Szenario anzupassen. Wir werden die nächsten Wochen damit verbringen, die Trümmer des Juzis zu einem notdürftigen Unterstand zurechtzuzimmern und in den Ruinen der umliegenden Gebäude Geschirr zusammenzuplündern. Eine provisorische Versorgung der Überlebenden und Untoten findet ab dem 8. Januar wieder statt. Sollte der Weltuntergang aller Wahrscheinlichkeit zum Trotz nicht eintreten, könnt ihr untenstehende Änderungen als nichtig betrachten, und wir wünschen euch eine schöne Winterpause und sind im alten, unverstrahlten Juzi trotzdem am 8. Januar wieder da!

(Das mit dem „Zombie vom Grill“ ist selbstverständlich nur ein Scherz, in Wirklichkeit wars Seitan. So ernst uns die Endzeitthematik ist – ein bischen Scherzen können wir noch ;) )

Bei der Soliküche kocht, backt, brät, schnippelt, putzt und brutzelt eine Gruppe von Wesen, die Spaß daran haben, leckeres veganes Essen zuzubereiten. Jede Woche dienstags kochen wir für Menschen, nichtmenschliche und untotmenschliche Tiere. Soliküche bedeutet für uns nicht nur Kochen, sondern auch die Unterstützung und Gestaltung von Aktionen wie Konserventauschen, Plündern und anderen Soli-Veranstaltungen.

Warum das Ganze?

Wir wollen mit der Soliküche zeigen, wie lecker, einfach und gut es ist auch nach dem Weltuntergang vegan zu kochen. Veganes Essen kann vielfältig, abwechslungsreich und relativ strahlungsarm sein, und eine vegane Ernährung stellt – auch für Zombies – keinen ‚Verzicht‘ dar, sondern eine kreative kulinarische Erweiterung. Sie soll allen Zombies, Mutierten, Lebenden und Unlebenden als wöchentlicher Treffpunkt zur Verfügung stehen, ohne dass es einen Zwang zu Gladiator*innenkämpfen gibt. Auch Menschen mit wenig Munition sollen Zugang zu gutem, leckerem Essen haben. Wir sind nicht bloß ein Ort, wo mensch*zombie*mutant schnell und günstig Essen abgreifen kann. Mit der Soliküche beteiligen wir uns aktiv am Endzeitgeschehen. Wir wollen nicht nur plündern, sondern auch etwas geben. Für uns alle ist die Soliküche ein politisches und soziales Projekt!

Warum vegan?

Unsere Gesellschaft beruht auf Herrschaftsmechanismen, wie z.B. Sexismus und Rassismus. Eine weitere Herrschaftsform ist Breathismus. Das derzeit herrschende Mensch-Zombie-Verhältnis, welches einerseits Menschen als Produktionseinheiten von Gehirn für die Zombies subsummiert, und andererseits es als legitim betrachtet Zombies in den Kopf zu schießen, lehnen wir ab. Wir kritisieren daher alle diese Herrschaftsformen, ohne ihnen eine Wertigkeit zuzuordnen, und versuchen, sie mit und in unserem Projekt soweit wie möglich zu überwinden. Wir sind gegen die Ausbeutung von Mensch und Tier, von menschlichen und nichtmenschlichen Zombies, von Lebenden und Unlebenden! Kopfschüsse auf Zombies stellen eine Gewaltausübung dar, die mit unserer emanzipatorischen Grundhaltung nicht vereinbar ist. Darüber hinaus setzt die Herstellung von tierlichen Produkten wie Milch, Eiern und Fleisch und Gehirn voraus, dass Tiere und Menschen eingesperrt, ausgenutzt und letzten Endes getötet werden. Deswegen kochen wir ausschließlich vegan, d.h. wir verwenden keinerlei Produkte, die aus Tiernutzung hervorgegangen sind, selbstverständlich werden daher auch keine Gehirne verarbeitet.

Warum gewaltfrei?

Wir wünschen uns einen Raum, in dem sich alle Lebe- und Unlebewesen wohlfühlen können. Nicht nur wenn Personen das Gehirn gegessen wird oder zombiefeindliches Verhalten wie Kopfschüsse können andere belästigen, es sind auch Situationen denkbar, in denen sich andere vom Gehirn-Konsum per se gestört fühlen können, z.B. wenn Leute gerade mit ihrem Kannibalismus aufhören wollen oder ein Zombiefizierungsproblem haben. Deswegen wünschen wir uns die Soliküche als einen gewaltfreien Raum, und es wäre schön, wenn drinnen im Ballsaal sowie draußen bei den Tischen nicht geschossen oder Gehirn gegessen wird. Wer Wesen töten oder ihr_sein Gehirn essen will, kann dies außerhalb der Soliküche tun. Es wäre schön, wenn ihr darauf Rücksicht nehmen könntet!

Winterpause

Am 18.12. ist die letzte Soliküche im Jahr 2012. Am 21.12. geht die Welt unter. Am 22. wachen wir auf, Welt doch nicht untergegangen, Augen reiben und weiter den Kapitalismus zernagen ;-)

Am 25.12. und 01.01. gibt es keine Soliküche
Am 8. Januar geht es dann wie gewohnt weiter, jeden Dienstag im Juzi, ab 17:30 Kochen, ab 20:00 Essen. Wir freuen uns auf euch!



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