Brandanschlag auf Hühnermastanlage

Am frühen Morgen des 22. Novembers sind in Meppen, Niedersachsen, drei von zehn Ställen auf dem Gelände einer Hühnermast-Anlage niedergebrannt. Die Ställe waren zum Zeitpunkt des Brands leer. Am darauf folgenden Tag sollten rund 63.000 Küken auf einer Fläche von insgesamt 3.000 Quadratmetern eingesetzt werden. Die Ställe sind bis auf die Grundmauern komplett ausgebrannt. Der Schaden wird auf über eine Million Euro geschätzt.

Brand Meppen

Nachdem die Polizei von Anfang an von einem Brandanschlag ausging, der vermutlich von sogenannten „militanten Tierschützern“ begangen worden sei, ist am 2. Dezember ein Bekenner*innenschreiben auf Indymedia aufgetaucht.

Bereits in den vergangenen Jahren gab es in Niedersachsen immer wieder Brandanschläge auf tierausbeutende Unternehmen. Zu den meisten der Anschläge liegen Bekenner*innenschreiben vor, in denen oft das Kürzel ALF (für Animal Liberation Front) oder TBF (für Tierbefreiungsfront) verwendet werden. Das Kürzel steht für Gruppen, die direkte Aktionen wie Tierbefreiungen oder Sachbeschädigungen durchführen, dabei jedoch darauf achten, dass weder Menschen noch andere Tiere dabei körperlich zu Schaden kommen.

Hier eine (unvollständige) Übersicht:

* 2006 Brand in einem Schlachthof in Hannover. Schaden: 200.000 Euro.
* 2007 Brand einer „Wurstfabrik“ in Ronnenberg. Schaden: über 1 Million Euro.
* 2010 Brand einer leerstehenden Hühnermastanlage in Sprötze. Schaden: 500.000 Euro.
* 2011 Brand von leerstehenden oder im Bau befindlichen Hühnermastanlagen in Vechelde-Alvesse (Schaden: rund 500.000 Euro), Mehrum und Schnega (Schaden: mehrere 10.000 Euro)
* 2012 Brand der leerstehenden Hühnermastanlage in Meppen. Schaden: über 1 Million Euro.

Zum Brand in Meppen erschien am 22.11. ein Videobeitrag vom NDR, in dem es zum Ende heißt: „Der einzige Trost […]: Menschen oder Tieren ist dieses Mal nichts passiert.“ Bei allen anderen Anschlägen übrigens auch nicht, da es zu den Grundsätzen von direkten Aktionen der TBF/ALF gehört, sicherzustellen, dass keine Menschen oder anderen Tiere körperlich verletzt werden. Das Ziel solcher Anschläge ist es, der Tierausbeutung wirtschaftlichen Schaden zuzuführen.

Die Verein die tierbefreier e.V. hat eine Presserklärung veröffentlicht, in der es unter anderem heißt:

„Tiere sind fühlende Lebewesen, sie verspüren Angst und Schmerz. Die Gewalt und das Leiden, das sie in diesen und anderen Tierausbeutungsbetrieben erfahren – bis hin zu ihrem Tod –, ist so immens, dass es Menschen gibt, die es nicht bei Appellen belassen, sondern die zu direkten Aktionen greifen, um dem entgegenzuwirken. Dabei werden unterschiedliche Aktionsformen angewandt, etwa Tiere befreit, Leiden verursachende Gegenstände zerstört, oder aber auch wirtschaftliche Sabotage durchgeführt, bei der Unternehmen getroffen werden, die ihr Geld durch Gewalt auf dem Rücken von gequälten Tieren „erwirtschaften“. Häufig geben sich Gruppen, die solche Aktionen durchführen, die Bezeichnung „Tierbefreiungsfront“ oder „Animal Liberation Front“ (ALF). Seit den 1980er Jahren werden dabei auch immer wieder Brandanschläge auf Tierausbeutungsunternehmen verübt. Dabei wird regelmäßig betont, es werde darauf geachtet, dass weder Menschen noch Tiere durch den Anschlag physisch zu Schaden kommen.
Während die „Niedersächsische Geflügelwirtschaft“ bei dem Anschlag von einem „feigen Akt“ spricht, sprechen wir von „mutigen AktivistInnen“, die ihre eigene Freiheit riskieren, um direkt gegen Gewalt an und Quälerei von Tieren in unvorstellbarem Ausmaß anzugehen.“

Die Hühnermastanlagen sind als Zulieferbetriebe für den umstrittenen Großschlachthof in Wietze bei Celle gedacht. Dort sollen für die Firma Rothkötter acht Hühner pro Sekunde getötet werden, eine halbe Million am Tag. Der Schlachthof in Wietze wäre damit der größte Geflügelschlachthof in Europa. Um den Schlachthof voll in Betrieb nehmen zu können, müssten in der Region um Wietze genügend Zuliefererbetriebe vorhanden sein. Dazu müssten rund 420 Mastbetriebe mit jeweils ca. 40.000 Tieren errichtet werden. Die Anlage in Sprötze war als erster der rund 420 Zulieferbetriebe geplant. Bisher konnten nur einige wenige der geplanten Mastanlagen realisiert werden, auch aufgrund von massiven Protesten.

Gegen den Bau des Schlachthofs gab es von Anfang an starken Widerstand, der von staatlicher Seite mit Repression beantwortet wurde. Weitere Infos unter Anti Industry Farm.